LitRPG oder Progression Fantasy? Der Unterschied beim Lesen

Ein Beitrag des Daolate-Teams. Ich möchte euch zwei Begriffe erklären, die bei Fantasy-Büchern oft nebeneinander stehen: LitRPG und Progression Fantasy. Sie können dieselbe Geschichte beschreiben. Trotzdem sagen sie etwas Unterschiedliches darüber aus, was euch beim Lesen erwartet.

Progression Fantasy: Das Stärkerwerden trägt die Geschichte

Hier steht im Mittelpunkt, wie eine Figur ihre Kräfte oder Fähigkeiten ausbaut. Training, Rückschläge und neue Techniken bekommen Raum. Der nächste Erfolg ist ein Teil dessen, worauf man beim Lesen wartet.

Der Fantasy-Autor Andrew Rowe beschreibt diesen Schwerpunkt in seinem Beitrag über Progression Fantasy. Zahlen können den Fortschritt zeigen, sind dafür aber keine Voraussetzung. Eine Figur kann erkennbar mächtiger werden, ohne dass eine Statusanzeige auftaucht.

Dass jemand im Lauf eines Romans etwas lernt, reicht als Hinweis noch nicht weit. Die interessantere Frage lautet: Wie viel von der Geschichte dreht sich gerade darum, diese Fähigkeiten zu entwickeln und einzusetzen?

LitRPG: Die Spielregeln werden Teil der Welt

Bei LitRPG begegnen euch erkennbare Rollenspielmechaniken innerhalb der Geschichte. Dazu können Stufen, Werte, Fähigkeiten oder Systemmeldungen gehören. Solche Regeln beeinflussen, welche Möglichkeiten eine Figur hat und welche Entscheidungen sie trifft.

Level Up Publishing erklärt LitRPG anhand von Spielwelten und spielähnlichen Welten, deren Regeln für die Figuren sichtbar sind. Ein Roman muss also nicht auf einer Figur vor einem Computer beruhen. Auch eine Welt, in der Spielregeln zur Wirklichkeit gehören, kann dieses Prinzip verwenden.

Für mich ist die nützliche Unterscheidung deshalb: Progression Fantasy betont die Entwicklung von Fähigkeiten. LitRPG macht Rollenspielmechaniken erkennbar. Beides kann zusammenkommen; die Begriffe sind aber keine austauschbaren Etiketten.

Zwei kleine Beispiele ohne Buchspoiler

Stellt euch eine Magierin vor, die einen Schutzzauber zunächst nur für wenige Sekunden halten kann. Sie übt, entdeckt einen Fehler in ihrer Technik und schafft später eine ganze Nacht. Wenn dieser Lernweg die Handlung trägt, ist das ein verständliches Beispiel für Progression Fantasy. Dafür braucht es keine Anzeige mit Erfahrungspunkten.

Nun dieselbe Ausgangslage mit Spielregeln: Nach einer bestandenen Prüfung erhält die Magierin einen Fähigkeitspunkt. Sie kann ihren Schutzzauber verstärken oder eine neue Heilfähigkeit freischalten. Diese Auswahl verändert, welche Aufgabe sie als Nächstes bewältigen kann. Die sichtbare Regel und ihre Folgen zeigen, was LitRPG zusätzlich einbringen kann.

Das sind erfundene Beispiele zur Erklärung, keine Szenen aus einem bestimmten Roman.

Was davon passt zu eurem Lesegeschmack?

Ich würde weniger auf die Zahl der Genrebegriffe achten als auf die Art der Szenen. Möchtet ihr Trainingswege, Versuche und allmählich erarbeitete Erfolge verfolgen? Oder interessiert euch besonders, wie jemand innerhalb klarer Regeln eine clevere Lösung findet?

Auch bei Werten und Systemmeldungen lohnt sich ein genauer Blick: Helfen sie euch, eine Entscheidung zu verstehen? Oder unterbrechen sie für euch den Lesefluss? Daran lässt sich oft besser erkennen, was euch gefällt, als an der Frage, welches Etikett das einzig richtige ist. Keiner der beiden Begriffe verspricht automatisch einen bestimmten Ton, gute Dialoge oder ein passendes Erzähltempo.

Ein Ausgangspunkt bei Daolate

Bei uns findet ihr beispielsweise „Architekt der ewigen Nacht: Meine uneinnehmbare Festung“. Die Buchbeschreibung verbindet eine Welt ohne Sonne mit einem System und dem Aufbau von Schutzanlagen. Das ist ein konkreter Ausgangspunkt, wenn euch Systemgeschichten und Festungsbau interessieren. Daraus allein würde ich noch keine Aussage über sämtliche Spielmechaniken des Romans ableiten.

Die deutsche Übersetzung läuft noch. Schaut euch vor dem Einstieg den aktuellen Übersetzungsstand und die Angaben zum Zugang an. Mehr dazu steht auch in unserem Leitfaden zum Einstieg in einen Webroman.

Wenn euch vor allem die Ausgangslage einer Figur interessiert, findet ihr in „Ameise oder Dämonenschwert?“ zwei weitere Buchideen. Ich vergleiche dort, welche Aufgaben ein anderer Körper mit sich bringt. Grundlage sind die Buchbeschreibungen.

Viele Grüße
Daolate Redaktion

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